Noch mehr Tips für Auswanderer

Aber auch hier ist das Leben kein Ponyhof, man sollte…

Auch wenn ich mir mit diesem Beitrag den einen oder anderen verärgere, so muss ich doch mit einigen „unrealistischen“ Vorstellungen aufräumen. Sicher ist Schweden ein Land, das viele Möglichkeiten bietet, die es in Deutschland (leider) nicht mehr gibt. Aber auch hier ist das Leben kein Ponyhof, man sollte mit seinen Wunschvorstellungen doch auf dem Teppich bleiben. Oder um es mit Goethe zu sagen „Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“

Keiner rollt für euch den roten Teppich aus…

Viele Auswanderer haben ein Problem damit, das sie nicht nahtlos an ihr altes Leben in Deutschland anknüpfen können. „In Deutschland, da war ich wer…“ Z.B. Unternehmer mit mehreren Angestellten – und in Schweden ist man plötzlich ein ganz normaler Angestellter, muss nach Anweisungen arbeiten, wie alle anderen. Man sollte sich vorher darüber klar werden, ob man das kann und auch will.

Ich kann kein schwedisch, ist das schlimm?

Sicher gibt es Berufe, wo die Nachfrage so groß ist, dass quasi jeder genommen wird, auch ohne viel Erfahrung oder ausreichende Sprachkenntnisse. Aber das ist nicht normal und generell zu erwarten!! Und natürlich sind Sprachkenntnisse in gewissen Berufen (mit z.B. Kundenkontakt) zwingend erforderlich! Einsatz, Initiative und Berufserfahrungen können jedoch Arbeitgeber überzeugen und sich einen guten Platz sichern. Schwedische Sprachkenntnisse sind immer ein Vorteil!!!

Warum verdiene ich weniger als in Deutschland?

Das kann unterschiedliche Ursachen haben:

Oft werden ausländische Ausbildungen nicht anerkannt – in dem Fall ist man also „ungelernte Arbeitskraft“.

Oder es liegen Sprachprobleme zu Grunde. Natürlich ist es für einen Betrieb aufwendiger, jemanden einzuarbeiten, wenn es nur mit Händen und Füssen und englisch geht. Würde ein Hilfsarbeiter in Deutschland, der gar kein Deutsch kann, das Gleiche verdienen wie ein Geselle??

Bezahlt wird nach Berufsjahren, je mehr – je höher!

Ich wollte ja eigentlich nach Norwegen, aber nu ist es Schweden geworden…

Beides ist Skandinavien, aber die Unterschiede sehr groß! Da sind Probleme schon vorprogrammiert, man könnte genauso gut nach Spanien oder Italien gehen. Wer nicht restlos von seiner Idee überzeugt ist, der kann nur enttäuscht werden. Es wäre immer ein Kompromiss – egal wie prima es auch läuft.

Probleme mitnehmen…

Wer Probleme in seiner Partnerschaft hat, der löst sie nicht automatisch, nur weil man sich in einem fremden Land befindet. Man nimmt sie mit!! Sicher ist ein neues Umfeld gut für einen Neuanfang – dann muss man aber wirklich die „alten Geschichten“ zurücklassen und vergessen. Wer mit seinem Partner oder seinem Umfeld ständig aneckt und hofft, mit einer Flucht ins Ausland das zu verbessern – der ändert gar nichts, sofern er sich nicht ändert.

Wie lange braucht man sich zu etablieren?

Hängt natürlich von jedem selbst ab und dem Umfeld. Grob kann man sagen, ungefähr 2 Jahre – bis man alles kennt, sich mit Kultur und Sprache zurechtfindet. Es ist nicht leicht, eine Zeit gespickt mit Entbehrungen, Rückschlägen, Enttäuschungen und wiederkehrendes Heimweh. Aber wer wirklich will – der schafft es auch.

Muss man „kleine Brötchen backen“?

Hallo?! Wir reden über einen Neuanfang – alles komplett nochmal auf Null setzen. Da kann man keine großen Forderungen stellen und darf froh und dankbar sein, über jede kleine Chance, die sich bietet. Natürlich muss man seine Erwartungen runterschrauben und Jobs annehmen, über die man in Deutschland längst hinausgewachsen war und gar nicht mehr nötig hatte.

Fragen, die man sich vorher ehrlich beantworten sollte:

  • Bin ich bereit komplett bei Null anzufangen?
  • Bin ich bereit (trotz toller Ausbildung / Berufserfahrungen) die ersten 1 – 2 Jahre als Putzfrau zu arbeiten? Auf Abruf stehen, ohne feste Anstellung, ekelige Klos putzen für knapp 9 Euro Stundenlohn (netto)? „Nur“ um einen Fuß in die Tür zu bekommen, die Zeit zu überbrücken, bis ich mich eingelebt habe und die Sprache kann?
  • Will ich mir wirklich diese Zeit der Rückschläge und Entbehrungen antun?

Musst du nur eine dieser Fragen mit „nein“ beantworten, dann solltest du deinen Entschluss nochmals überdenken. Es hilft, sich noch weiter über Schweden zu informieren, um eventuelle Zweifel zu beseitigen oder zu bestätigen. Das gilt natürlich nur für Leute, die nicht finanziell ausgesorgt haben, also über den schnöden Dingen, wie den Lebensunterhalt verdienen zu müssen, stehen.

Anregungen oder Fragen? Meldet euch gerne…

15 Tipps für Urlauber oder Auswanderer für den Aufenthalt in Schweden

Schwedisch lernen

Häufig gestellte Fragen

Autor: Dine

Seit 6 Jahren arbeite und lebe ich in Schweden und möchte gerne meine Erfahrungen weitergeben. Jeder Neuanfang ist schwer, daher möchte ich gerne helfen, sofern ich kann. Schweden ist ein tolles Land, ob man nur Urlaub macht oder ganz umsiedelt. Es gibt wahnsinnig viel zu erzählen, Land und Kultur, Kurioses und Anekdoten. Bitte stellt gerne konkrete Fragen. Willkommen im Land der Elche, Rentiere und Polarlichter!!!

2 Kommentare zu „Noch mehr Tips für Auswanderer“

  1. Klipp und klar! Deinen Bericht könnte man gerade so für fast jedes andere Land anpassen. Ausland ist nicht einfach ein wenig wie zu Hause aber besser! Auswandern ist Knochenarbeit. Den Willen, sich auf Neues einzulassen und auch Durststrecken auszuhalten, braucht es schon! Das gilt sogar für Rentner die ihre Schäfchen bereits im Trockenen haben. Das Finanzielle ist eine Sache, aber sich Wohlfühlen und Kontakte haben und pflegen ist auch enorm wichtig. Aber es gibt immer noch viele, die beim kleinsten Bobo nach Hause eilen weil sie sich keine Mühe geben, die Begebenheiten vor Ort wirklich zu kennen zu lernen und zu akzeptieren. Für mich ist dies nicht ‚im Ausland Leben‘ sondern Rosinenpickerei. Dabei ist es so belebend und bereichernd, sich auf ein neues Land einzulassen! Mir gefällt das total!

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    1. Danke, das hast du nett gesagt! Ich sehe es auch so, es ist nicht leicht, aber es ist auch spannend, abenteuerlich und eine Herausforderung. Ich bin innerlich sehr dran gewachsen, das ich mich der Herausforderung gestellt und sie auch gemeistert habe (mit mehr oder weniger Abschlägen, klar!). Man muss seine Einstellung ändern und sich einlassen, ist einfach so! 😉

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