Kulturelle Unterschiede

Schaut man in schwedische Häuser hinein, man kommt aus dem Staunen oft nicht raus…

Es gibt stellenweise erhebliche kulturelle Unterschiede, die einem erst gar nicht so klar sind. Hier einige Beispiele:

Tapeten und Einrichtung

Schaut man in schwedische Häuser hinein, man kommt aus dem Staunen oft nicht raus. Die meisten Tapeten waren in Deutschland in der 60iger Jahren modern, viele erinnern sich bestimmt noch an die kleingemusterte Blümchentapete in Omas Küche – in Schweden kann man sie immer noch in Geschäften neu kaufen. Auch viele Möbel – mal abgesehen von IKEA – erinnern an die 60iger Jahre. Natürlich gibt es auch moderne grau-metall Einrichtungen, aber das „Alte“ findet man häufiger.

Mal eben reinschauen…

Möchte man einen Schweden besuchen, mal eben reinschauen, weil man grad in der Nähe ist, verkneif es dir. Sowas ist in Schweden eher unüblich. Selbst sehr gute Freunde oder den Nachbarn ruft man vorher an – man platzt nicht einfach rein.

Hamsterkäufe

Es erstaunt jeden Deutschen im Supermarkt – die Großpackungen. Speiseöl in 2 Liter Flaschen, Zucker in 2 kg Tüten, Mehl in 5 kg Tüten oder Eier auf 30iger Palletten… Nein, die Schweden essen nicht unbedingt mehr. Es stammt noch aus alten Tagen, wo der Winter lang war und man auf dem Lande durchaus für einige Wochen eingeschneit war. Ich find es weniger schlimm, halt nur halb so oft eine Tüte Zucker kaufen zu müssen.

Redefreudigkeit

Grad auf dem Lande kennt jeder jeden – wenn man sich trifft tauscht man sich aus. Gewöhnungsbedürftig ist es jedoch, dass die Menschen das auch ausgiebig an z.B. der Kasse im Supermarkt frönen. Da wird das Handy gezückt und Fotos von den lieben Kleinen gezeigt oder mal eben gegoogelt, wo man denn diese schicken Schuhe bestellt hatte… Ja, sie sind halt freundlich und hilfsbereit.

„Noggran“

Die Schweden beschreiben sich gerne selbst als „noggran“, es ist ein Wort, das man nicht direkt übersetzen kann. Es bedeutet ungefähr: minuziös, ordentlich, verlässlich, zurückhaltend, pünktlich wohin gehend der Schwerpunkt auf der Zurückhaltung liegt. Es wird immer gegrüßt, selbst wildfremde Menschen. Aber jemanden ohne „Entschuldigen Sie, darf ich mal was fragen“ anzusprechen, käme einem ein Gespräch aufzuzwingen gleich. Die Hände schütteln das Äußerste – kein Hund oder Kind wird ungefragt angefasst! Schweden fühlen sich bedrängt, wenn man den Mindestabstand von einer Armlänge (ca. 80 cm) unterschreitet.

Oldtimer

Viele Schweden lieben alte Auto!! Sie werden gepflegt und gehegt, in beheizten Garagen untergestellt und liebevoll restauriert. Nur bei schönem Wetter werden sie dann gefahren und dürfen bewundert werden.

Kleiderordnung

Man kann fast sagen, es ist umgekehrt wie in Deutschland. Abgesehen von Uniformen gibt es in Schweden nicht die Art von Kleiderordnung im Berufsleben, wie wir es aus Deutschland kennen. Erlaubt ist was gefällt. Dagegen wird sich abends zum Ausgehen gerne richtig aufgebrezelt – selbst, wenn es nur auf ein Bierchen mit Kollegen ist.

Fragen, Anregungen… meldet euch gerne!

…Schlange stehen…

„Schlange stehen“ ist das normalste von der Welt. Man steht geduldig…

…oder warum das Einkaufen durchaus länger dauern kann

Man, was haben die Schweden für eine Engelsgeduld und Zeit! „Schlange stehen“ ist das normalste von der Welt. Man steht geduldig (blöd) rum, und keiner verzieht auch nur eine Miene darüber oder fängt an zu drängeln.

Es gibt viele Ursachen für die Schlangenbildung. Hauptursache ist, dass man versucht den Kassierern das Einlesen der Waren zu erleichtern, indem man die Ware nach dem Strichcode ausrichtet. Der Schwede betreibt das exzessiv, es ist ein wirklich amüsantes Schauspiel. Da steht dann die nette, alte Dame mit ihrem Körbchen mit 10 Teilen am Band und nimmt jedes Teil einzeln heraus. Das wird dann 3-4 mal in den Händen gedreht, um den ollen Strichcode zu finden, um es dann korrekt auf dem Band zu platzieren. Natürlich jedes Teil einzeln, selbst drei identische Milchtüten werden einzeln betrachtet und großzügig platziert. Und niemand käme je auf die Idee, schon mal die ersten Waren einzutüten, während die Kassierer noch am einlesen ist, nein! Man wartet brav am Kartenlesegerät auf das bezahlen und dann wird eingepackt… So braucht die nette, alte Dame dann locker ne halbe Stunde für ihre 10 Teile.

Die Schlangen entstehen aber auch durch die Redefreudigkeit. Man kennt sich und tauscht sich gerne aus „Wie geht’s den Kindern?“ oder „Ach, wo hast du denn die schicke Bluse gekauft?“… Ist ja soweit ok, würden sie nicht in der Zeit ihre Tätigkeit völlig vernachlässigen. Die Krönung war folgende Geschichte:

Eine nette, alte Dame (die gibt’s hier wirklich oft und viel) stand am Geldautomaten und kramte nach ihrer Bankkarte. Hinter ihr standen schon 2 Leute, ich war Nummer drei. Als sie nun endlich ihre Karte in den Händen hielt, kam eine Bekannte vorbei und sprach sie an. Sie quatschten tatsächlich eine geschlagene halbe Stunde, die Schlange war inzwischen auf 8 Personen angewachsen. Keiner drängelte, stöhnte oder verdrehte die Augen und die Dame sabbelte und sabbelte – die ganze Zeit mit der Bankkarte in der Hand!!

Ich glaube, in Deutschland hätte jemand die kleine, zarte Dame mal eben angehoben und bei Seite gestellt, um an den Automaten zu können. Als Deutscher empfindet man es erst als rücksichtslos und ignorant, aber weit gefehlt. Es wird nicht gedrängelt und gehetzt, der der dran ist – ist nu halt dran, egal wie lange er braucht. Das ist ausgelebte Toleranz! Ich muss gestehen, ich bin muss mich da noch mehr anpassen. Ich staple nach wie vor das Laufband so voll wie möglich, sch… auf den Code, das Schwere zuerst, wie es in die Tasche kommt… Und ich packe auch schon vor dem Bezahlen die ersten Teile ein – schnell fertig werden und Platz für den nächsten machen… es sitzt noch tief in mir verankert. Entschuldigt liebe Schweden, ich schaffe es euch zu tolerieren, aber meine Anpassung dauert wohl doch noch etwas länger.

Fragen, Anregungen… meldet euch gerne!

15 Tipps für Urlauber oder Auswanderer für den Aufenthalt in Schweden

Bevor man ein privates Haus in Schweden betritt, zieht man sich die Schuhe aus….

Stau

Das Wort Stau gibt’s im schwedischen nicht. Die Schweden kennen keine Staus, man fährt defensiv und rücksichtsvoll. Es gibt eine Regel, die „Nollversion“, die sehr ernst genommen wird: „Jeder sollte sich im Straßenverkehr so verhalten, dass niemals einer deiner Freunde oder ein Familienmitglied verletzt oder getötet werden kann.“.

Fahrstil

Defensiv und rücksichtsvoll gegenüber Schwächeren = jeder Passant in der Nähe eines Zebrastreifens gilt es im Auge zu behalten – er hätte Vorfahrt! Dieses „schnell aufs Gas – da komm ich vorher noch dran vorbei“ ist typisch deutsch und kommt überhaupt nicht gut an.

Sprache

Ein paar Brocken schwedisch zu können, kann nicht schaden, allgemeine Redewendungen wie „Bitte“, „Danke“ oder „Ich komme aus Deutschland“. Die älteren Generationen hatten meist noch deutsch in der Schule und freuen sich, es mal wieder zu sprechen, können aber meist kein Englisch. Die jüngeren Generationen können englisch aber meist kein Deutsch. Geschrieben versteht man schwedisch ganz gut und einige deutsche Dialekte kommen dem sehr nahe, so dass man Bruchstücke verstehen kann.

Knöllchen und Bussgelder

In den ländlichen Regionen ist das Parken meist kostenlos. In Städten zieht man am Automaten „Biljetter“, die gut sichtbar von innen vor die Windschutzscheibe gelegt werden. Bezahlen geht fast nur mit Bankkarte. „Falsch Parken“ kostet ab 80 Euro aufwärts. Dazu zählt auch auf der gemalten Linie stehen, auf der falschen Seite oder 1 Minute über der Zeit. „Ohne Gurt“ kostet ca. 500 Euro, dieses Vergehen sehen sie sehr streng!

Danke!

Der Schwede bedankt sich für alles. Danke für das Essen, Danke für die Einladung, Danke für das letzte Mal (Besuch, Geschenk, Anruf etc.) Danke für die (Geburtstags-) Karte oder Danke für den Kaffee. „Tack för…“, man spricht es wie es geschrieben wird, sollte man sich angewöhnen.

Flaggentag

An den wichtigsten Feiertagen wird „geflaggt“, also man zieht die schwedische Nationalflagge am Fahnenmast hoch oder hängt die kleinere Version vor der Haustür auf. Das ist den Schweden sehr wichtig, zeigen Sie guten Willen und machen Sie mit. Eine kleine Flagge findet sich in jedem Ferienhaus. Flaggentage sind:

Neujahr; 28. Januar „Königs Namenstag“; 12. März „Kronprinzessinnen Geburtstag“; 30. April „Königs Geburtstag“; Karfreitag; beide Ostertage; 1. Mai „Tag der Arbeit“; Pfingstsonntag; 6. Juni „Nationaltag“; der Samstag nach dem 21. Juni „Mittsommer“; 8. August „Königin Namenstag“; 6. November „Königs Namenstag“; 23. Dezember „Königinnen Geburtstag“; 25. Dezember „Weihnachten“

Schuhe aus

Bevor man ein privates Haus in Schweden betritt, zieht man sich die Schuhe aus – ein absolutes Muss. Nur wenn der Gastgeber beim Ausziehen abwinkt, darf man sie anbehalten.

Tanken / Benzinkanister

Die meisten Tankstellen sind automatisiert und man kann nur mit Bankkarte bezahlen. Einige wenige haben Automaten, die schwedisches Bargeld nehmen, aber die sterben aus. Besonders auf der Autobahn zwischen Göteborg und Stockholm sind Tankstellen selten und automatisiert. Also: an Bankkarte oder Benzinkanister denken!!

Geld

Da die Nutzung von Kreditkarten (zu einem schwedischen Konto) gebührenfrei ist, bezahlt in Schweden fast keiner mehr bar (= „kontant“), selbst der Schokoriegel von der Tankstelle wird mit Karte (= „kort“) bezahlt. Deutsche Kreditkarten funktionieren, kosten aber beim deutschen Bankinstitut Gebühren. Geld wechseln geht nur zu sehr schlechten Kursen und bei Banken meist nur mit mehrtägiger Voranmeldung. Einfacher und billiger ist es, mit seiner deutschen Bankkarte einfach am Automaten schwedisches Geld zu abzuheben, sofern ihre Karte über das „Masterkard-symbol“ verfügt. (Welche Symbole nötig sind, steht an jedem Automaten dran!).

Essen

In Schweden wird mittags und abends warm gegessen. Sollten Sie in einem Restaurant oder Imbiss essen wollen, nehmen Sie ein „Meny“. Kostet etwas mehr, aber man kann sich meist das Tellergericht aus mehreren Alternativen aussuchen und es gehören immer ein Salatteller (Selbstbedienung an der „Saladbar“), ein einfaches Getränk (Wasser, Milch, Saft) und der Kaffee hinterher dazu. Den Kaffee darf man sich meist nachschenken und oft gibt es auch beim Hauptgang einen Nachschlag.

Laktose / Gluten

Unverträglichkeiten sind in Schweden an der Tagesordnung und es wird sehr darauf eingegangen. Sprechen Sie es einfach an – man hilft Ihnen gerne weiter. Gleiche Wörter und Aussprache wie im deutschen.

Einkaufen

Die meisten Supermärkte haben von 8.00 Uhr bis 22.00 jeden Tag geöffnet („Alla dagar 8 – 22“). Die Auswahl ist gut, die Qualität liegt zwischen normal und bio bei „normalen“ Dingen. Bioprodukte (= „EKO“) gibt es auch. Selbst einige deutsche Discounter sind vertreten, natürlich ist die Auswahl schwedischen Verhältnissen angepasst, wie z.B. Schokolade mit Lakritz oder salziges Popcorn. Süß und fettig, also ungesund, ist teurer, um die Schweden zu einer gesunderen Ernährung zu erziehen. Süßigkeiten gibt es traditionell für Kinder nur am Samstag.

Alkohol

Teuer und streng unter staatlicher Kontrolle. Außer Leichtbier kann man Bier, Wein und Spirituosen nur im „System Bolaget“ kaufen, Öffnungszeiten 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Kein Ausschank an Minderjährige wird sehr ernst genommen. Deutsches Bier ist ungefähr dreimal so teuer, Whiskey kostet locker das doppelte. Das „mitbringen für den eigenen Bedarf“ ist erlaubt!

Rauchen

In der Öffentlichkeit und auf Festen, wo Kinder anwesend sind, sollte man es nicht tun – brav dezent irgendwo bei Seite. Neben dem, wie in Deutschland üblichen, Nichtraucherschutz ist der Schutz der Kinder in Schweden sehr wichtig. Filterzigaretten gibt es im Supermarkt, im Tabakladen (= „Tobak“) oder an der Tankstelle zu kaufen – Drehtabak gar nicht (aber Blättchen (= „Zigarrettpapper“)). Die Masse der Schweden raucht nicht – sie „snusen“ lieber (Kautabak portioniert in kleinen Beuteln = „Snus“).

Gastgeschenke

Ein Gastgeschenk kommt immer gut an. Fragen Sie im Vorfeld, oft haben die Schweden spezielle Wünsche wie Schwarzbrot oder echter Schinken. Jede Hausfrau freut sich über einen Satz Kuchengabeln, die es hier nicht gibt. Sonst ist eine Flasche Whiskey immer eine gute Idee – wer sie nicht selber trinkt nimmt sie zum Tauschen oder als besonderes Geschenk für Freunde.

Konkrete Fragen? Beantworte ich gerne, meldet euch.

Häufig gestellte Fragen