Über die schwedische Sprache oder „Smörrebröd römpömpömpöm“

die skandinavischen Sprachen sind so sehr miteinander verwandt, sodass sich Norweger, Schweden und Dänen problemlos miteinander unterhalten können

Ich finde es ein spannendes Thema und hatte mehrere Anfragen, also gehe ich auf die schwedische Sprache etwas genauer ein.

Der mit dem „römpömpömpöm“ war zwar ein dänischer Koch, aber die skandinavischen Sprachen sind so sehr miteinander verwandt, sodass sich Norweger, Schweden und Dänen problemlos miteinander unterhalten können. Nur die Schreibweise unterscheidet sich meistens. Was ein großer Vorteil ist, wenn man nur eine dieser Sprachen halbwegs beherrscht, kann man mit allen kommunizieren!!

Wie schon erwähnt, ist das geschrieben Schwedisch beim Einkaufen oder auf der Autobahn gar nicht so schwierig, man erkennt leicht, was gemeint ist.

Beispiele:

Avfahrt = Ausfahrt   Motorvägen = Autobahn   Vägen = Weg, Straße

Cirkulationsplats = Kreisverkehr (Kurzform Rondell = Kreisel)

Avfall = Abfall   Frukt = Früchte = Obst   Bröd = Brot   Pålägg = Belag aufs Brot

Grönsaker = grüne Sachen = Gemüse   Mjölk = Milch   Skinka = Schinken

Smörrebröd ist dänisch, schwedisch heißt es Smörgås = belegte Brote / Brötchen

Parket = parket   edel = ädel   Hammer = hammar   Nase = nas   Mund = mun

 

Was ist gleich

Der Satzbau: Subjekt – Prädikat (Verb) – Objekt, ebenso alle Satzzeichen (das macht es schon erheblich leichter). Es werden jedoch deutlich weniger Kommas eingesetzt, ist anfangs etwas schwierig herauszufinden, wo der eine Satz aufhört und der nächste Satz anfängt. Ganz oft ist die Aussprache gleich, z.B. Realität = realitet, Distanz = distans.

Bei Mehrzahl wird ganz oft eine Endung drangehängt, wie im Deutschen das s, en oder er. Je nach dem Stammwort ist es en, er, or, ar, es, as oder os. (Natürlich nicht bei den wenigen Wörtern, wo Einzahl wie Mehrzahl ist, z.B. Ei / Eier = ägg oder Haus / Häuser = hus).

Die Bildung der Zeiten ist dem Englischen und Deutschen sehr ähnlich, z.B. wird eine Zukunftsform mit „kann / sollte + Grundform des Verbs“ gebildet. Es gibt auch unregelmäßige Verben, aber deutlich weniger.

 

Was ist anders

Kleinschreibung, gilt auch für Hauptwörter, nur am Satzanfang und bei (Eigen-) Namen wird der erste Buchstabe großgeschrieben.

Das Verb ist bei allen Personalpronomen immer gleich – ob ich, du, er, sie, es oder wir, ihr, sie, das Verb bleibt gleich! Jag går (=ich gehe), du går (= du gehst)

Es gibt keinen Buchstaben Ü, dafür nutzen die Schweden das U (Hund = hund, sprich hünd) und das Y (schade = synd). Z findet man nur in Fremdwörtern wie Zoo. Das W gibt es kaum, meistens wird alles mit V geschrieben (Wagen = vagn). Das G im Wort wird meist J gesprochen und oft auch mit J geschrieben.

Beide Artikel sind gleich! Der bestimmte Artikel steht nicht vor dem Wort, er wird angehängt. (das Haus = huset, der Hund = hunden). Der unbestimmte Artikel steht davor. (ein Haus = et hus, ein Hund = en hund).

Es gibt kein ß, kein eu, au oder äu, auch kein sch und nur selten ch. Das ist alles typisch deutsch.

Ä, Å und Ö sind eigenständige Buchstaben, die in der alphabetischen Reihenfolge hinter dem Z stehen. (Achtung, auch im Wörterbuch findet man z.B. dö hinter dz, nicht unter doe!!)

Die Aussprache

Im Deutschen betont man meist die erste Silbe, also den ersten Vokal. Im schwedischen wird meistens jeder Vokal betont, wodurch der Singsang entsteht.

Beispiele:

Das Wort igen (bedeutet wieder) habe ich anfangs typisch deutsch „ih-jen“ mit der Betonung auf dem i ausgesprochen (und keiner verstand mich). Richtig ist: i-jenn, mit Betonung auf dem e!

Den Namen Claudia spricht ein Schwede Klod-ja aus.

Oder das deutsche Wort Läuse würde ein Schwede so schreiben und sprechen: loi-se.

 

Ich beschreibe nur allgemein, da es immer Ausnahmen gibt:

O = fast immer U (Käse = ost, sprich ust)

U + Y = Ü (Hugo = Hü-go, Kompott = sylt)

A = A, O oder Å (Karl = Korl, Tag = dag)

Å = O (meist kurz)

Z = S

S = immer scharf

K = fast immer CH oder SCH

(Kirche = kyrka, sprich schür-ka, Kiosk = kiosk, sprich chi-osk)

SK = meist SCH, aber auch SK

(Schinken = skinka, sprich schin-ka, Wald = skog, sprich skog)

ST = nicht scht sondern st (wie die Hamburger es sprechen)

LJ = meist nur L (der Ort Ljusdal sprich Lüs-dal)

Im Schwedischen gibt es mehrere verschieden CH-Laute: welche, die wie unser CH klingen und welche, die mir noch schwer fallen und im Hals kratzen… Beispiele:

Köttbullor (Hackbällchen) sprich chöt-bül-la

Kerstin (Vornamen) sprich chers-tin

Sju (die Zahl 7) sprich chü (härter, mehr wie ein CHR)

Sjötti (die Zahl 70) sprich schöt-ti

Worte die auf tion enden: Brandstation (Feuerwache) sprich brand-sta-chun

 

Lustige Wörter

 

„Saftblandare“, wörtlich Saftmixer, gemeint ist umgangssprachlich das orange Drehlicht auf den städtischen Fahrzeugen

„Cirkulationsplats“, wörtlich Zirkulationsplatz, gemeint ist der Kreisverkehr

„Smultronställe“, wörtlich Smultron = Walderdbeere, ställe = Stelle, gemeint ist Lieblingsplatz

Kindersprache:

Das Auto macht brüm brüm, der Hund macht wüf wüf.

Piepmatz = Pippi

Hündchen = Voffi, sprich wuffi.

Man muss sich nur überwinden, das fällt am Anfang schwer. Ich bin auch erst viel auf Englisch ausgewichen, da ich mich da sicherer fühlte. Nun im Nachhinein denke ich, Mensch, was hab ich mich angestellt, war doch gar nicht so schlimm. TV, Radio, Zeitung oder Comic lesen hilft alles weiter. Aber es ist wie mit dem Schwimmen: man kann soviel Theorie lernen, wie man will, „richtig“ lernt man Schwimmen erst im Wasser (in der Praxis). Also, nutzt jede Möglichkeit um zu üben, üben, üben… dann wird es schon.

Lycka till und bis bald…

 

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Auswandern

Im Nachhinein ist mir eingefallen, es gibt doch Situationen, wo nach männlich und weiblich getrennt wird: „Jag är tyska“ (ich bin deutsch – weiblich) und „Jag är tysk“ (ich bin deutsch – männlich). Oder: Sambo (= Lebensgefährte männlich) und Samba (= Lebensgefährtin – weiblich). Auch bei Haustieren kann man Geschlechter ausdrücken: Han katt (= Kater) Hon katt (= Kätzin) oder einfach davor gestellt: han / hona kanin (= männliches / weibliches Kaninchen).

Häufig gestellte Fragen

…Lebenserfahrung wird in Schweden noch hoch angerechnet…

Muss ich schwedisch lernen?

Naja, wer sich als Lottomillionär oder Rentner aufs Altenteil zurückziehen möchte, oder ein Leben als Almöhi abseits der Zivilisation ohne Kontakt zur Außenwelt anstrebt – der kommt mir ein paar Brocken Englisch klar. Wer aber in der Gesellschaft leben und arbeiten möchte, der sollte schon langfristig schwedisch lernen. Man kann sich mit wenigen Brocken, Händen und Füßen beim Einkaufen durchschlagen, aber natürlich muss man sich im „richtigen Leben“ verständigen können. Genau wie in Deutschland, wird diese Anpassung erwünscht.

 

Sind die Lebensmittel teurer?

Nicht wirklich, kommt drauf an was man will. Wer gewöhnlich seine Ernährung durch Aldi & Co bestreitet, der muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Es gibt zwar Supermärkte, aber kein Preisdumping auf Kosten der Qualität, wie z.B. Gammelfleisch. Die Durchschnittsqualität, gerade beim Fleisch, ist gut bis sehr gut – zu fairen Preisen, oft nahe an Bioqualität, wobei es Bio hier auch gibt (=Eko). Produkte mit viel Zucker oder Fett, sprich „Ungesundes“, ist oft verteuert, um die Verbraucher zur gesunden Lebensweise zu erziehen. Man bekommt nicht immer, so wie in Deutschland, das ganze Jahr durch einfach alles an frischem Gemüse und Obst überall, es wird oft durch die Saison bestimmt.

 

Wie geht das mit der Schule?

Die Schulen sind gewöhnlich Ganztagsschulen (bis 16.00 Uhr), mit Schulbus und warmen Mittagessen. Die Kinder werden gut versorgt, damit die Eltern in Ruhe arbeiten gehen können. Das Niveau wird am Schwächsten angepasst, damit jeder die Chance hat mitzukommen. Ganz Schlaue (Überflieger) überspringen dann Klassen, um schneller weiter zu kommen. Die Meisten beenden die Schulzeit mit dem Abitur, das aber nach deutschen Maßstäben mehr einer mittleren Reife entspricht. In der Oberstufe kann man sich bereits auf Berufsgruppen oder nach seinen Interessen spezialisieren, dort finde dann viele Kurse mit viel Praxis statt, z.B. KFZ-Mechaniker. Es gibt auch spezialisierte Gymnasien, z.B. Tennisgymnasium oder Naturwissenschaftliches Gymnasium. Es wird sehr wichtig genommen, dass jeder sich frei entfalten kann und es gibt KEIN MOBBING, sowas wird nicht geduldet und im Keim erstickt.

 

Ist Schweden kinderfreundlich?

Schweden ist das kinderfreundlichste Land, das ich kenne. Hätte ich das eher gewusst, ich hätte mein Kind in Schweden großgezogen. Individualität und freie Entfaltung wird ausgelebt, dass die Kinder glücklich sind ist am wichtigsten. Ohne Mobbing oder Diskriminierung dürfen Kinder praktisch alles, frei nach dem Motto „Au macht schlau“. Es funkt auch keiner in die Erziehung rein oder würde sich je beklagen, böse Blicke im Supermarkt über „quengelige Kinder“ gibt es nicht. Das Freizeit- und Sportangebot ist sehr groß und meistens sehr günstig bis kostenlos. Die Schweden würden wirklich alles für ihre Kinder tun.

 

Kann ich eine (neue) Berufsausbildung machen?

Klar, in Schweden ist es durchaus üblich, seine Berufswahl im Laufe des Lebens zu ändern und nochmal neu etwas ganz anderes anzufangen. Die meisten Ausbildungen sind schulischer Art, es erinnert ein wenig an den Führerschein; „richtig fahren“ lernt man hinterher, wenn man ihn hat.

 

Bin ich mit Ü 40 zu alt im Berufsleben?

NEIN! Auch mit Ü 50 nicht, Lebenserfahrung wird in Schweden noch hoch angerechnet. Natürlich gibt es auch hier Arbeitgeber, die sich 20-Jährige mit abgeschlossenem Studium und 10 Jahre Berufserfahrung wünschen… (was utopisch ist!). Aber gewöhnlich sind Berufserfahrungen wertvoll und Lebenserfahrung erwünscht. Schweden ist das richtige Land für all die, deren Lebenslauf durch oft wechselnde Tätigkeiten hervorsticht. Es wird nicht als Manko, sondern als Vorteil angesehen.

 

Wie ist das mit Studium aus?

Bis auf wenige Berufe, wie z.B. Arzt, gibt es keine obere Altersgrenze, um zu studieren. „Ich wollte schon immer…“, na dann los! Wenn du selbst für deinen Unterhalt sorgen kannst, steht dem nichts im Wege, die meisten Studiengänge sind kostenlos und es gibt die Möglichkeit Bafög zu beantragen. Für Bafög muss man jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllen, aber EU-Mitbürger werden mit Einheimischen absolut gleichbehandelt. (mehr Infos darüber gibt es bei CSN.se). Viele Studiengänge werden auch als Fernstudium angeboten, da kann man dann arbeiten gehen und nebenbei zu Hause im eigenen Tempo studieren.

 

Wie hoch sind die Mieten und Nebenkosten?

Im Umfeld der Ballungszentren, wie Stockholm, Malmö oder Göteborg, ist alles teurer, auch die Mieten, auf dem Lande sind Mieten günstiger. Als Beispiel kostet eine Wohnung in Göteborg ungefähr das Gleiche wie in Hamburg oder Köln, die Nachfrage bestimmt den Preis. Die Nebenkosten sind deutlich niedriger, hängt aber natürlich auch von der Region ab. Im Vergleich zu Deutschland bezahle ich z.B. für die Müllabfuhr nur ein Drittel (für 2 große Tonnen) und nur 8 Cent / kw für Ökostrom!! Manche Nebenkosten, wie z.B. Schornsteinfeger, fallen weg, da man es selbst machen darf. Wir haben mit 2 Personen in einem Haus in Schweden weniger Nebenkosten, als ich allein für meine 54 qum Wohnung in Niedersachsen auf dem Lande bezahlt habe.

 

Wieviel koste ein Haus?

Je nach Lage – unterschiedlich. Im Umfeld der Ballungszentren, wie Stockholm, Malmö oder Göteborg, natürlich erheblich teurer, aber im Allgemeinen günstiger als in Deutschland (oft kann man eine Null weglassen). Jedoch ist es leichter ein Haus zu kaufen als zu mieten, für die Schweden ist es so normal sein Haus / Wohnung zu besitzen, wie es für Deutsche normal ist zu mieten.

 

Wie sind die Löhne?

Besser als in Deutschland, für 4,85 Euro würde in Schweden kein Altenpfleger auch nur einen Finger rühren. Die Berufserfahrungen bestimmen den Lohn, je mehr – je höher. Geregelte Arbeitszeiten und Überstunden- und Wochenendzuschläge sprechen für sich, es ist sehr erbaulich für seine Arbeitskraft entsprechend honoriert zu werden.  Auch für Berufseinsteiger, die Erfahrungen sammeln möchten, ist es attraktiv und reizvoll.

 

Sozialversicherungen?

In Deutschland bezahlt man Einkommenssteuer und Sozialversicherungen, die zusammen etwa 1/3 des Durchschnittseinkommens ausmachen. In Schweden ist es nicht gesplittet, in den 30% Steuern auf das Durchschnittseinkommen ist alles drin! Wer also Einkommenssteuer bezahlt ist automatisch Kranken- und Rentenversichert. Einzige Ausnahme: Arbeitslosenversicherung. Diese ist freiwillig, man bezahlt sie selbst und man meldet sich auch selbst bei der „A-kassan“ an. Kostenbeispiel: bei einem Nettoeinkommen von 12 000 Euro im Jahr bezahlt man ungefähr 10 Euro Beitrag im Monat. Mitgliedschaft in der Gewerkschaft läuft ebenfalls über die A-kassan und freiwillig, der Beitrag ist dann ungefähr dreimal so hoch. Alles in allem gerechnet ist die Steuer nicht so hoch, wie es oft dargestellt wird.

 

Wie ist die Krankenversorgung?

Gut, ähnlich wie in Deutschland. Wer in Schweden wohnt und arbeitet ist über die Einkommenssteuer voll krankenversichert, die Grundversorgung ist für alle gleich und etwas besser als in Deutschland. Man gibt einfach seine Personennummer im Krankenhaus oder beim Arzt an – fertig. Um lange Wartezeiten zu vermeiden gibt es die Möglichkeit, sich vorher telefonisch anzumelden. In Notfällen wird man in der Notaufnahme (Akkut) sofort behandelt.

Ausnahme: Zahnärzte! Kleinere Sachen zahlt man selbst, z.B. kostet eine Füllung ungefähr 30 Euro. Bei größeren Baustellen kann man Zuschuss beantragen, der vom Einkommen abhängig ist.

 

Personennummer

Die ist wichtig in Schweden, ein Dreh- und Angelpunkt. Nicht nur um sich auszuweisen, fast alles läuft über die Personennummer: Telefon, Konto, Sozialversicherungen, Auto, wohnlich melden, Versicherungen und vieles mehr. Man beantragt sie beim Finanzamt (Skatteverket), wo man sich auch wohnlich anmeldet (Folksbokförat). Sie braucht ein wenig Zeit, aber als EU-Mitbürger erhält man eine Vorläufige (Samordningsnummer), die ist für alles gültig, bis man seine Personennummer erhält.

 

Polizei / Feuerwehr / Rettungswagen

Für alle gilt nur eine Nummer in Schweden: die 115. Dort wird man weiter verbunden, je nach Bedarf an die Polizei (Polisen), Feuerwehr (Brandstation) oder Rettungskräfte (Ambulans). Sie sind schnell Vorort und sehr hilfsbereit.

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